Erste Gesamtübung bei der Feuerwehr Großostheim
Großostheim. Ein schwerer Verkehrsunfall. Ein PKW fährt ungebremst in eine Fahrzeugschlange hinter einem langsam fahrenden Radlader. Fünf Personen, darunter ein Kind, sind eingeklemmt und müssen gerettet werden. Ein PKW hat eine Gefahrgutkennzeichnung der Klasse "radioaktiv" - und beginnt gerade Feuer zu fangen. Zum Glück ist die Szene nur gestellt. Doch sie ist authentisch. Nicht der Standardeinsatz für Feuerwehren Deutschlands, doch es soll herausfordernd sein, wenn die drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Großostheim gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Wenigumstadt den Ernstfall proben.
Zusammenarbeit für Großeinsätze üben
Vier mal im Jahr werden Übungen dieser Größenordnung in Großostheim durchgeführt. Meistens gemeinsam mit der Ortsteilfeuerwehr Wenigumstadt, manchmal auch mit Rettungsdiensten oder anderen Hilfsorganisationen. Das Ziel ist klar: Es soll das nicht-alltägliche geübt werden. Denn zwischen hunderten - man möchte fast sagen: - "Standardeinsätzen" im Jahr kann es auch immer den einen Sonderfall geben. Die eine Situation, in der es die Ratlosigkeit zu überwinden gilt. Die eine Ausnahme, bei der Routinen sitzen müssen, selten geübte Handgriffe nicht neu sein dürfen und das Wissen auch mitten in der Nacht noch aus dem Gedächtnis geholt werden muss. Und vor allem: Die Situation, wenn mehrere Organisationen spontan die Köpfe zusammenstecken, einen Plan schmieden und ihn dann gemeinsam umsetzen. Unerwartet, vielleicht zu schwierigen Uhrzeiten und wenn es sein muss auch noch bei strömendem Regen.
Unscheinbare Alarmierung
"THL 3: Ein Verkehrsunfall mit mehreren PKW". Das gemeinsam mit der Adresse waren alles, was den rund 50 Einsatzkräften kurz vor Übungsbeginn mitgeteilt wurde. Dann wurden die Fahrzeuge nacheinander abgerufen. Mit kleinen Pausen zwischendrin, damit nicht alle zeitglich vor Ort eintreffen. Eben so wie in echt, wenn die Leute von Zuhause, der Arbeit oder beim Joggen alarmiert werden. Kurz bevor das erste Löschfahrzeug (HLF 20/16) an der Einsatzstelle eintraf, meldete sich die Übungs-Leitstelle mit einer weiteren Information: Es gäbe weitere Anrufer, einer der PKW hätte soeben Feuer gefangen. Also die erste spontane Planänderung. Zur technischen Hilfeleistung kommt jetzt noch die Brandbekämpfung. Erst als die Ehrenamtlichen persönlich die Unfallstelle sehen konnten, war das unerwartete zu erkennen: Der Transporter, der gerade Feuer fing, war mit Gefahrguttafeln gekennzeichnet. ADR-Klasse 7, das bedeutet radioaktive Stoffe. Die Einsatzleitung reagierte sofort: Schnellstmöglich die Menschenrettung durchführen und sofort zurück! Der Fahrer und sein Kind wurden aus der Gefahrenzone geschafft. Zeitgleich wurden erste Messungen vorbereitet. Bald stellte sich heraus, der Lieferwagen transportierte einen radioaktiven Stoff, die Verpackung war aber unbeschädigt. Keinerlei Strahlung hatte das Behältnis verlassen. Auch eine abblasende Gasflasche im Fahrzeug konnte kurzerhand zugedreht werden. Unterdessen lief bereits die Rettung der weiteren drei Personen, deren Fahrzeuge sich glücklicherweise in einiger Entfernung zum Lieferwagen befanden. Nach einer halben Stunde konnte die Übung beendet und ein Resümee gezogen werden. Alle Personen konnten zügig gerettet und an den Rettungsdienst übergeben werden. Dabei wurden die Patienten nicht bloß durch Feuerwehrsanitäter erstversorgt, sondern außerdem teils aufwändig aus ihren Fahrzeugwracks geschnitten, aus dem hoch gelegenen Fahrerhaus des Radladers getragen oder vorsorglich auf Strahlungskontamination überprüft. Ein vollumfänglicher Lebensrettungsservice aus einer Hand: Ihrer Freiwilligen Feuerwehr vor Ort, die jederzeit auf alle Eventualitäten vorbereitet ist.







